Stadtplanungsamt Bremerhaven

GESTERN - WACHSTUM UND EIN NEUER HAUSTYP
Mit der industriellen Entwicklung in Europa stieg auch die Bevölkerungszahl rasant an.

Auch in Bremerhaven stieg die Bevölkerung zwischen 1870 und 1910 von 10.200 auf 24.000 Menschen. Veranlasst durch den schnellen Anstieg der Bevölkerung und durch den industriellen Aufschwungs, konnte die Stadtgrenze nach Norden erweitert werden, um dort Hafenanlagen zu bauen. Da dieses Gebiet weit im nördlichen Teil Bremerhavens lag, fehlte eine Verkehrsanbindung.  Das Gelände wurde bis 1851 als Grünland der Leher Bauernschaft genutzt.

Durch die Anlage des Neuen Hafens wurde das Gelände schrittweise eingedeicht. Zeitgleich wurde der Hafen über die Bogenstraße mit Gleisen erschlossen, die vom Alten Hafen aus entlang der Barkhausen- und der Rudloffstraße rangierten.

Ab 1872 wurde der Kaiserhafen gebaut, 1876 die Kaiserschleuse und weitere im Norden angrenzende Hafenanlagen.

Im Plangebiet wurden im weiteren Verlauf Petroleumumschlagplätze, benachbart eine Gasanstalt und verschiedene Quarantäne- und Seuchenstationen errichtet.

Vor dem Hintergrund der fehlenden Anbindung, des starken Bevölkerungswachtums und des knappen Baugrunds wurde auch in Bremerhaven damit begonnen, neuen Wohnraum zu erschließen. Dies führte dazu, dass ein bis dahin unbekannter Bautyp Einzug in die Stadt hielt. Fünfgeschossige Häuser, die auf ca. 500qm großen Grundstücken errichtet wurden. Im Erdgeschoss sollten große Läden, in den übrigen Geschossen möglichst viele Wohnungen untergebracht werden. Zur Straße hin wurden die Fassaden prunkvoll mit Ornamenten aus Stuck verziert, die Hinterhöfe waren oft trostlos gestaltet. Die Häuser selbst waren um dunkle Treppenhäuser oder Lichtschächte herum angelegt. Angelehnt war die Struktur der Häuser an die so genannten „Mietskasernen“, wie sie in großen Ballungszentren wie Berlin und Hamburg gebaut wurden.

Am 20. Oktober 1896 erfolgte die Umbenennung der in das Hafengebiet führenden „Grüne Straße“ in „Kaiserstraße“. In den folgenden Jahren entstanden immer mehr Wohnhäuser entlang der Kaiserstraße und im umliegenden Gebiet. Die Architektur der neuen Wohnhäuser war dabei bunt durchmischt. So entstanden nicht nur Mehrfamilienhäuser, sondern auch prunkvolle Stadtvillen im Jugendstil, insbesondere im Bereich der Gildemeisterstraße.

Im Jahr 1905 erfolgte die letzte große Gebietserweiterung mit den Erschließungs- und Planungsarbeiten östlich der Kaiserstraße. Unterbrochen durch den 1. Weltkrieg 1914 bis 1918 begann im Jahr 1927 die Bebauung des neuen Wohngebiets mit zeitgenössischem, modernen Wohnungsbau. Der wohl bekannteste Architekt aus dieser Zeit war Hans Scharoun, der westlich und östlich Entwürfe für neue Wohnblocks lieferte. Erbaut wurden diese Gebäude 1939 - 1940.

Das heutige Plangebiet um die Rudloffstraße war vor dem 2. Weltkrieg geprägt von hafentypischer Schuppenstruktur – Baumwolllagerschuppen in dichter Aneinanderreihung, wie sie heute noch im Bereich der Marcusstraße zu sehen sind.  Das Gebiet und die Hallen um die Rudloffstraße (als Hafengebiet mit einem Zollzaun vom Stadtgebiet getrennt) waren gegen Kriegsende stark zerstört.

Zum Glück hat die Kaiserstraße als einzige größere Straße von Bremerhaven die Bombennacht vom 18. September 1944 nahezu unbeschadet überstanden. Bedingt durch die Zerstörungen waren viele Menschen in Wohnungsnot. Eine Erleichterung folgte erst mit Beginn der 1950er Jahre und dem zeitgenössischen Wiederaufbau der Stadt.

Nach dem Krieg war die Nutzung weniger stark durch die Hafenwirtschaft geprägt, die Nutzungsdichte sank merklich. Es entstanden kleine Werkstätten, kleine Handelsfirmen, Dienstleister wie Tankstellen und Supermärkte. Diese Baustruktur stellt auch das heutige Erscheinungsbild dar.



Als Zeichen für den Neubeginn nach den schicksalshaften Jahren des 2. Weltkriegs wurde der alte Name „Kaiserstraße“ im Oktober 1949 in „Bürgermeister-Smidt-Straße“ geändert. Bei den Bremerhavenern hat sich diese Bezeichnung nie wirklich durchgesetzt, sie schufen für die ehemalige Kaiserstraße die Bezeichnung „Alte Bürger.


DAS GEBIET HEUTE

Zu Zeiten des Wiederaufbaus kam es zu einer vorübergehenden Abkehr vom Altbau. Entlang der Alten Bürger entstanden in den 1950er Jahren moderne Wohnblocks, die den Charme der älteren historischen Bebauung vermissen lassen. Heute erfreut sich die alte Bausubstanz erneut größter Beliebtheit, besonders bei jungen Leuten. Fassaden wurden aufwändig saniert und wiederhergestellt, Geschäfte und Gastwirtschaften erleben zunehmend wieder eine bunten Vielfalt.

Entlang der Rudloffstraße ist eine ungeordnete Baustruktur aus überwiegend Dienstleistungs- und Handwerksbetrieben vorhanden, die sich mehr oder weniger bedarfsorientiert und individuell entwickelt hat und für eine derartige innenstadtnahe Lage nur eine sehr geringe Verdichtung aufweist.

Die Stadt Bremerhaven, d. h. der Magistrat mit seinem Stadtplanungsamt möchte an dieser Stelle die Entstehung eines neuen Quartiers fördern, in dem unterschiedliche Nutzungen möglich sein sollen: Wohnen, Arbeiten und Dienstleistungen sollen zusammengebracht werden und das Gelände mit innenstadtnahem Leben füllen.

ZUKUNFTSWERKSTATT FÜR ALLE
Im Mai 2017 tritt die Entwicklung in die nächste Phase ein. Bis zum Juli 2017 wird in einem Beteiligungsverfahren eine Dokumentation zur Entwicklung des neuen Quartiers erstellt. Wie Sie bei der Entwicklung mitmachen können, erfahren Sie HIER.